Nachtschattengewächs. Oder: Das Lachkraut

Eine Geschichte (aus dem alten Blog)

Es war einmal eine Frau, die an einem Strand einen Mann traf. Sie liebten beide das natürliche Leben und die naturbelassene Ernährung. So kam es, dass sie beim Durchstreifen der Landschaft dem Mann einen Maulbeerbaum und einen wilden Kirschbaum zeigte, den sie zuvor schon gesehen hatte. Sie labten sich an den süßen Früchten. Die Frau mochte auch gerne die Blätter der Bäume, die ihr meist geschmacklich sehr passend dazu schmeckten.

Kirschbaum

Die beiden waren kein Liebespaar, doch es war wohl das Feuer der Liebe, dass den Mann am nächsten Tag dazu bewegte, ihr vormittags eine Schüssel selbstgesammelter wilder Kirschen zu bringen. Sie freute sich sehr. Nach ein paar Kirschen meinte sie, dass es eigentlich schade wäre, dass hier am Strand keine saftigen Gräser wuchsen, die sie nun statt der Kirschbaumblätter essen könnte (Irgendwie vermißte sie die ihr zimtartig schmeckenden Blätter dazu).

Kirschen

“Oh, das wirkt wie Cassia”, meinte der Mann. Sie merkten, dass der hohe Gehalt des Fruchtzuckers in der Wildkirsche abführend wirkte. Die Frau erinnerte sich, dass diese Wirkung nicht eintrat, als sie die Kirschenblätter dazu gegessen hatte. Sie lehnte sich wieder zurück auf ihr Handtuch.
Die Sonne schien herrlich und sie nützten das Wetter am Strand ausgiebig Sonne und Meeresluft zu tanken.

sonnen

Zu Mittag brachte der Mann ihr eine Schüssel frisch gesammelter Maulbeeren. Auch sie waren überaus lecker. Die Frau freute sich sehr und sie vermisste bei diesen Beeren die Blätter nicht. Der Geschmack war sämig und mild. Süss und weich, färbten sie die Zunge und Lippen rot. “Schön, dass man bei diesem Genuss nicht einmal ans Zähneputzen denken muss.” dachte sich die Frau und genoß die milde Süße mit etwas milderfrischendem darin. Sie schmeckte die Phenole aus den dunklen Beeren und das ausgewogene Zuckerverhältnis. Das Schönste an den Phenolen ist wohl, dass sie nicht nur Kariesbakterien schachmatt setzen, sie schützen auch vor UV-Strahlung (absorbiert).

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“Einfach perfekt” meinte sie und aß danach noch ein paar saftige Algen aus dem Wasser.

Saftige Algen

Sie legte sich wieder auf ihr Handtuch am Strand direkt am Meer. Ab und zu ölte sich sie mit nativem Olivenöl ein, dass sie vor Austrocknung und ebenfalls UV-Strahlung (Radikale) schützte.

Olivenbaum

Bild oben: Ast eines Olivenbaumes im Spätjuni
Später, als es gegen Abend ging, kam der Mann wieder, diesmal mit stolz geschwellter Brust (oh, er sah gut aus) und einem Kraut in der Hand. Er schien bemerkt zu haben, dass grüne Blätter eine der Lieblingsspeisen der Frau sein mussten.
Die Frau schaute misstrauisch auf den welken Pflanzenteil, den er in der Hand hielt. “War das nicht gerade erst gepflückt worden?” dachte sie bei sich.

Nachtschattengewaechs

“Das wächst bei uns zu Hause auch, bevor wir die Gemüsepflanzen ansetzen” verkündete er stolz und legte seine Beute neben die Frau, als er sich zu ihr setzte. Die Frau setzte sich auf. “Naja, die haben aber normalerweise eher drachenförmige (Trapez) Blätter.” wandte sie ein und schaute zweifelnd.

Guter stolzer Heinrich

Bild oben: Guter stolzer Heinrich (proteinreich, riecht im Nachgeschmack nach Fisch)
“Ich habe schon davon gegessen.” sagte er. Die Frau dachte an den stolzen Heinrich zu Hause, der so gar nichts mit dem welkem Kraut hier gemein hatte. “So schnell fällt man nicht um.” dachte sie bei sich. Sie nahm ein Blättchen der Pflanze in die Hand und zerrieb es, roch es. Dann tupfte sie ein zerrissenes Blatt auf ihre Zunge.
“Hm, also anziehend ist das nicht gerade.” meinte sie und zerbiss es dann testweise im Mund.
Da prustete sie auf einmal heraus: “Das ist ein Nachtschattengewächs.”
Der Mann schaute sie unsicher an. “Du weißt schon, Tomate, Tollkirsche und so …” lachte sie. “Hihi, da willst du mir stolz eine nahrhafte Pflanze für den Abend bringen, … *lol* … ich glaube du hast da ganz anderes vor!”

Nachtschattengewaechs

Der Mann schien jetzt doch etwas verunsichert. Er hatte schon davon gegessen gehabt. Die Frau fuhr lachend fort: “Ja, das machen einige so, die so wie du natürliche Ernährung praktizieren. Aber was auch im Anflug nicht harmonisch und lecker ist, hat auch eine entsprechende Wirkung.” Nein, so gewählt konnte die Frau in dem Moment nicht sprechen. Sie musste soviel lachen, erzählte ähnliche Geschichten, das Lachkraut tat bei ihr seine Wirkung besonders gut: Sie fand es so süss, dass er diese Pflanze brachte, und dann war es ausgerechnet ein Nachtschattengewächs. Das Kraut wirkte in der kleinen Dosis. Sie zeigte ihm, dass Tomatenblätter die Finger gelb färben würden und rieb sich etwas davon auf die Haut. “Hm, in dem Fall nicht.” Sie lachten und lachten und sicher wunderten sich nicht nur die Krebse, die am nahen Wasser ab und zu auf den Steinen in der Sonne herumkrabbelten.

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“Jaja, die Nachtschattengewächse haben eine aufmunternde/psychoaktive Wirkung, können giftig (atemlähmend) wirken, wenn sie zu viel konsumiert werden.” Das Bilsenkraut zum Beispiel wurde früher Bier zugegeben. Sie erzählte von Nachtschattengewächsen und anderen Pflanzen, die psychoaktiv wirkten.
Stärker wirken die intelligenten Stoffe der Natur, wenn man sich roh bzw bewußt naturbelassen ernährt. Wer täglich Kaffee (Koffein ist auch ein psychoaktives Alkaloid) trinkt, wird möglicherweise die geringen Dosen nicht so merken wie andere …
Die beiden aßen danach gut gelaunt Blätter eines naheliegenden Baumes. Es war ein Ulmengewächs und sie schmeckten so mild, dass sie ein paar davon essen konnten. Nach einigen Bissen fühlten sie sich einfach mollig angenehm mit leichter Süsse im Mund an.

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Obwohl sie von den Blättern des Nachtschattengewächses nur wenig gegessen hatten, lachten die Frau und der Mann noch bis in den späten Abend über den Vorfall …

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Diese Geschichte ist frei erfunden, jede Ähnlichkeit mit lebenden Personen ist rein zufällig.
Der Begriff “Lachkraut” wird normalerweise für andere Pflanzen wie Apium risus oder Sardoa herba verwendet, die ein Lachen ohne Seele bewirken. Das ist nicht die Wirkung der Nachtschattengewächse. Alkaloide haben – in geringer Konzentration allerdings fast immer eine stimmungshebende Wirkung, die durchaus zum Lachen anregt.
Tabak ist z.B. auch ein Nachtschattengewächs. Im Mittelalter waren sie die wichtigsten Berauschungsmittel (Bilsenkraut etc.). Daher: Achtung.

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